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Alt 02.09.2016, 18:40
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Anbei die Pressemitteilung der Fan-IG vom 01.09.2016 im kompletten Wortlaut:

Mit großer Skepsis betrachtet die Alemannia-Fan-IG die Suche der Vereinsspitze nach Investoren für die klamme Fußball-GmbH des Traditionsvereins. Insbesondere die 80-Prozent-Option, die laut Alemannia-Aufsichtsratschef Dr. Christian Steinborn Hauptbestandteil des Investorendeals werden soll, bereitet den Fan-Vertretern Unbehagen. Geschäftsführer Thomas Wenge betont jedoch, dass die Fan-IG nicht grundsätzlich gegen jegliche Investorenlösung sei. Er signalisiert zudem Gesprächsbereitschaft auch in der Frage, wie viele GmbH-Anteile der Verein abgeben darf.

Bisher waren 24,9 Prozent die Schmerzgrenze für die IG. Inzwischen hat die Vereinsspitze aber erklärt, dass die als Favoritin geltende Interessentengruppe um Spielerberater Lars-Wilhelm Baumgarten und Rechtehändler Michael Kölmel entweder größer oder aber gar nicht einsteigen wolle. Dies hat Baumgarten jüngst bestätigt. „Diesen Gegebenheiten müssen wir uns wohl oder übel stellen. Wenn die Konditionen und Rahmenbedingungen stimmen, könnten deshalb notfalls auch 49,9 Prozent eine tragbare Option werden“, so Wenge. Aber eines sei klar: „Die Mehrheit muss dauerhaft beim TSV bleiben. Es darf nicht so weit kommen, dass irgendwann eine kleine Gruppe von Geldgebern über die Köpfe des TSV-Präsidiums und der Mitgliedschaft hinweg allein über den Alemannia-Fußball entscheidet.“

Genau diese Situation sehen die Fan-Vertreter jedoch herannahen, nachdem Steinborn und andere Aufsichtsratsmitglieder inzwischen mehrfach erklärt haben, dass selbst der Verkauf von 49,9 Prozent nur als erster Schritt gedacht sei. Darüber hinaus solle den Käufern schon jetzt eine Option auf weitere 30,1 Prozent für den Fall garantiert werden, dass die 50+1-Regelung im deutschen Profifußball fällt.

Spätestens an diesem Punkt schrillen bei den Fan-Vertretern die Alarmglocken. „Wenn mittelfristig 80 Prozent der Anteile und Stimmrechte in die Hände externer Geldgeber gelangen, ist dies der nahezu komplette Ausverkauf der GmbH. Das ist kein Einstieg von Investoren mehr, es ist de facto der Ausstieg des TSV aus dem Profifußball“, erklärt Wenge und kündigt im Namen der Fan-IG massiven Widerstand gegen die 80-Prozent-Option an.

Noch verhindert die 50+1-Regel, dass Investoren neben der Kapital- auch die Stimmrechtsmehrheit bei Profivereinen übernehmen können. Experten rechnen aber mit einem baldigen Ende von 50+1. Dürften die externen Investoren irgendwann also 80 oder mehr Prozent an der Alemannia-GmbH übernehmen, dann bleibt laut Fan-IG für den Verein nicht einmal mehr die bei 25,1 Prozent liegende Sperrminorität übrig. „Der TSV wäre komplett entmachtet. Denn wenn eine andere Gesellschaftergruppe über mehr als Dreiviertel der Stimmen verfügt, kann sie praktisch alle wichtigen Punkte im Alleingang entscheiden“, so Thomas Wenge, „die neuen Eigentümer könnten ihre Alemannia-GmbH meistbietend nach China verschachern. Oder sie könnten den ganzen Laden einfach dichtmachen, wenn er nicht den erhofften Profit abwirft. Das ist für uns das reinste Horror-Szenario.“

Erschwerend komme hinzu, dass die Investoren zunächst nur in überschaubarem Rahmen zahlen wollen. Zuletzt war von vier Millionen Euro verteilt über fünf Jahre die Rede. Dies ist für die IG keine Summe, die die Chancen auf den Aufstieg in die 3. Liga entscheidend verbessert. „Wie werden die Investoren reagieren, wenn ihr Geld in ein paar Jahren verbraten ist und wir immer noch in der Regionalliga kicken? Schießen sie dann weitere Millionen nach oder ziehen sie die Reißleine und lassen einen insolvenzreifen Scherbenhaufen zurück?“, fragt Thomas Wenge besorgt.

Die IG bevorzuge einen anderen Weg als den Ausverkauf: „Wir haben eine Mannschaft, die billiger, aber sicher nicht schlechter ist als der Vorjahreskader. Wir haben ein gutes Fan- und Sponsorenpotenzial. Aber es fehlen aktuell knapp 400.000 Euro zur schwarzen Null. Wenn wir alle – Vorstände, Mitglieder, Fans, Freunde und Gönner der Alemannia – gemeinsam Ideen entwickeln, sollte es möglich sein, die Lücke zu stopfen. Das oberste Ziel muss lauten, es aus eigener Kraft zu schaffen statt die Alemannia für immer an fremde Herren zu verkaufen.“
__________________

Interessengemeinschaft der Alemannia Fans und Fan-Clubs e.V.
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Alt 02.09.2016, 21:30
Franz Wirtz Franz Wirtz ist offline
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Entschuldigung, aber ...

... ich hätte da 'mal eine Frage. Warum findet sich in der Presseerklärung der Fan-Interessengemeinschaft keinerlei Hinweis auf die letzte ordentliche Hauptversammlung des Traditionsvereins? Wenn ich das richtig mitbekommen habe hat es dort bereits eine Abstimmung seitens der anwesenden Mitglieder genau über die wichtige Frage gegeben, ob den derzeitigen Alemannia-Vertretern untersagt wird, mit möglichen Investoren darüber zu verhandeln, mehr als 49,9 % an GmbH-Anteilen zu veräußern. Ein entsprechend eingereichter Antrag wurde vom obersten Organ des Klubs eindeutig abgelehnt.

Sich gegen einen mehrheitlichen Verkauf von GmbH-Anteilen auszusprechen halte ich für vollkommen richtig, möchte man allerdings letztlich erfolgreich dagegen vorgehen, darf man nicht die Augen vor der Wirklichkeit verschließen und so tun, als ob es diese Entscheidung seitens der Mitglieder nicht gegeben hätte.

Mir persönlich wäre angesichts der gebotenen schlechten Konditionen jedweder Anteil bereits zu viel, die IG macht meines Erachtens bereits wieder einen Fehler, sich von ihrer ursprünglichen Empfehlung (24,9 %) zu verabschieden und jetzt in einer Art „Basar-Mentalität“ auf 49,9 % zu erhöhen.

Auszug: „Er (Geschäftsführer Thomas Wenge) signalisiert zudem Gesprächsbereitschaft auch in der Frage, wie viele GmbH-Anteile der Verein abgeben darf. (...)“

Möchte Thomas Wenge die Zeit zurückdrehen? Wem gegenüber signalisiert er Gesprächsbereitschaft? Den Verantwortlichen des Klubs hat die Mitgliederversammlung die „Lizenz zum Töten“ längst erteilt, mit ihnen braucht er diesbezüglich nicht mehr zu sprechen. Viel wichtiger wäre es stattdessen, auf die Vereinsmitglieder zu zugehen, um anlässlich der endgültigen Verabschiedung eines demnächst (eventuell) vorliegenden Vertrags, entscheidend auf sie einzuwirken.

Ich kenne die IG nicht näher, aber diese Pressemitteilung vermittelt mir leider den Eindruck, dass die IG ihre Position und die gegebene Situation grundsätzlich falsch einschätzt. Es wird ohnehin nicht einfach werden einen mehrheitlichen Verkauf von GmbH-Anteilen zu verhindern. Eine falsche und ineffektive Vorgehensweise wäre das Letzte, was man sich selbst dabei noch zumuten sollte.


PS:
http://www.diekartoffelkaefer.de/201...alemannia-jhv/

Auszug: Für den ersten Punkt im Antrag gab es 70 Ja-Stimmen, 147- Stimmen lehnten ihn ab. Erleichterung – zumindest bei den Gremienvertretern. Alemannia durfte also weiterverhandeln. Der zweite Punkt wurde mit 183 Ja-Stimmen angenommen, bei 34 Nein-Stimmen. (...)
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  #3  
Alt 02.09.2016, 22:11
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Achim F. Achim F. ist offline
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Zitat:
Zitat von Franz Wirtz Beitrag anzeigen
Mir persönlich wäre angesichts der gebotenen schlechten Konditionen jedweder Anteil bereits zu viel.....
Für vier - fünf Millionen darf man nicht mal ne Sekunde über den Verkauf von 49,9% nachdenken.
Ein Vertragswerk, welches jetzt oder in Zukunft den Verkauf von mehr als 49,9% beinhaltet ist für mich keine Option! Nie!
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Nur der TSV !!
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Alt 03.09.2016, 00:38
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Zitat:
Zitat von Franz Wirtz Beitrag anzeigen
...................... Es wird ohnehin nicht einfach werden einen mehrheitlichen Verkauf von GmbH-Anteilen zu verhindern. Eine falsche und ineffektive Vorgehensweise wäre das Letzte, was man sich selbst dabei noch zumuten sollte.


.......................
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Einfach nicht, aber machbar! Und so ganz unwahrscheinlich auch nicht, wenn 75% dafür stimmen müssen.
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idP: KLEEBLATT4TSV:Die Sprengmeisterin. Kann noch jede Diskussion in die Luft jagen. Mit ganz kurzer Lunte........... Insistierend, steifnackig, doktrinär.http://tinyurl.com/c2ly65w
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  #5  
Alt 03.09.2016, 12:12
tjangoxxl tjangoxxl ist offline
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Zitat:
Zitat von Kleeblatt4TSV Beitrag anzeigen
Mitglied sein .... zur aJHV gehen ...... mit NEIN stimmen !!

Einfach nicht, aber machbar! Und so ganz unwahrscheinlich auch nicht, wenn 75% dafür stimmen müssen.
Prima Plan, aber was kommt danach?

Ich kann super ohne Investor leben, hätte aber je nachdem auch nicht das riesen Problem mit einem Kapitalgeber. Ein Problem hätte ich nur, wenn man nein sagt, aber nix in der Hinterhand hält. Eine weitere Insolvenz mache ich nicht mit. Wenn hier einige den Charme von Lokalduellen gegen Inde Hahn sehen, dann akzeptiere ich das, aber für mich ist das nix mehr.

Selbst kleine Kinder lernen irgendwann, dass ein einfaches dagegen sein nicht zielführend ist, sondern Gegenvorschläge müssen her.
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der.julius (03.09.2016), Eike (03.09.2016)
  #6  
Alt 03.09.2016, 21:00
Franz Wirtz Franz Wirtz ist offline
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Dünnes Eis ...

Ansichten eines bekennenden Nicht-Fans

„Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf's Eis" sagt man. Na dann riskier ich's 'mal und versuche die Bauchschmerzen vieler Fans hinsichtlich des momentan schwierigen Erscheinungsbildes ihrer Lieblingsmannschaft zu verstehen.

Mein größtes Problem dabei ist, dass ich seit 30 Jahren schon kein Alemannia-Spiel mehr im heimischen (alten) Tivoli mehr gesehen habe. Mein erstes Spiel, Tennisfreunde hatten mich mitgeschleppt, war im Herbst 1980 ein 5:0 (2:0) gegen den VfL Osnabrück. Beide Vereine standen damals weit oben in der Tabelle und das Stadion war rappelvoll. Trotz dermaßen vieler guten Begleitumstände und des tollen Spielverlaufs war ich von der merkwürdig aggressiven Grundstimmung auf einzelnen Rängen nicht begeistert. Weder die gegnerische Mannschaft, noch deren Anhang, lieferten einen Grund für irgendwelche Feindseligkeiten.

Obwohl ich selbst so gut wie nie Spiele besuchte, war ich immer umgeben von Alemannia-Anhängern und der Klub war ein stetes Thema im Freundeskreis. Als sich 2007 der Abstieg aus der 1.Bundesliga abzeichnete habe ich im August ein Auswärtsspiel in Frankfurt besucht. Die mitgereisten Fans - sprich der 12.Mann - machte(n) sich zu meiner Überraschung größtenteils weit vor dem Schlusspfiff schon wieder auf den Heimweg.

Selbstfindung ist angesagt
Wie bereits erwähnt hatte mich bereits bei meinem ersten Besuch die völlig unverständliche, latent vorhandene Krawall-Atmosphäre abgestoßen, die sich in späteren Jahren in noch vielfältiger Art und Weise in verschiedenen konkurrierenden Gruppierungen niederschlug und sogar bundesweit für negative Schlagzeilen sorgte. Selbstverständlich kann ich dieses Phänomen nicht detaillierter aufschlüsseln, dazu habe ich zu wenig Hintergrundwissen, aber bei einer der zentralen Fragestellungen: Kann und will die Alemannia sich ein neues modernes Image aneignen, sollte auch das Erscheinungsbild vergangener Tage kritisch begutachtet werden. Erschwerend hinzu kommt noch, dass man sich auch heute noch (all zu) gerne daran erinnert, dass man mangels spielerischer Mittel gerne mal „die Axt 'rausholte“, sprich eher die kämpferische Note suchte. So amüsant es sich auch immer wieder liest, wenn beispielsweise Willi Landgraf davon erzählt, dass die Gegner bereits beim Gang durch den engen Tunnel „Bammel“ und auch schon mal einen Tritt abbekamen, diese Zeit und diese spezielle Form der Begrüßung kommen nicht mehr zurück. Die kämpferische Note als bevorzugtes Stilmittel zu betonen ist selbstverständlich in Ordnung, stellt aber andererseits eine ständige Gratwanderung dar und wird spätestens dann fragwürdig, wenn es als wichtigstes Kennzeichen einer Mannschaft überhöht wird.

Alles hat seine Zeit
Um das Stadion dauerhaft voll zu bekommen müssen sich auch „normale“ Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren wohlfühlen dürfen, die wahren Fußballkenner alten Schlages sind zahlenmäßig eine zu kleine Gruppe, um sich dauerhaft auf sie zu beschränken. Die momentanen Spieler können und wollen scheinbar ohnehin nicht die Spielweise vergangener Tage kopieren, warum also weiterhin dieser Zeit nachtrauern, oder schlimmer noch, ihr vergebens hinterher hecheln? Die reinen Fußballkenner sind ein kritisches Volk, stimmt die Leistung kommen sie, fällt die Leistung ab, bleiben sie zunehmend weg. Es wäre ein Riesenfortschritt, und das muss das Ziel sein, gelänge es, eine Publikumsstruktur aufzubauen die unabhängig vom Tabellenstand ihre Mannschaft anfeuern möchte und vorrangig das Gemeinschaftserlebnis sucht.

Zentrale Problemstellungen
  1. Gestörtes Selbstverständnis
  2. Kein einvernehmliches Fan-Verständnis
  3. Mangelnde Kundenorientierung
  4. Keine authentischen Führungspersönlichkeiten

Gestörtes Selbstverständnis
Eine gestörte Identität ist seit langem bereits das größte Problem der Alemannia. Der aktuell leider nicht mehr gerechtfertigte Anspruch, man gehöre (mindestens) in die 2.Bundesliga, paart sich mit einem nostalgisch angehauchten selbstgefälligen und überhöhten Underdog-Image. Dieses gestörte Selbstverständnis war immer schon das Fundament dafür, dass untalentierte und letztlich ungeeignete Personen ans Ruder gelangen konnten und übte dauerhaft einen schädlichen Einfluss auf die Fans und die Beziehung zueinander aus.

Kein einvernehmliches Fan-Verständnis
Typisch für das Verhältnis der Mitglieder und Fans zu den Führungsverantwortlichen des Vereins ist, dass zuverlässig immer erst „hinterher“ alles verteufelt und damit ins Gegenteil verkehrt wird, was jahrelang zuvor bejubelt wurde. In Ausnahmefällen läuft es umgekehrt, ausgerechnet Jörg Schmadtke wurde scheinbar nie richtig geliebt, heute allerdings von vielen vergöttert. Solange Geld da ist, und alle beliebig über ihre fußballerische Weitsicht palavern dürfen, ist die Welt in Ordnung. Ist die Kohle weg herrscht das blanke Chaos und erstaunlicherweise hatten alle es genau so kommen sehen.

Mangelnde Kundenorientierung
In der aktuellen Lage müssen massenhaft Zuschauer ins Stadion gelockt werden, dass bislang präsentierte Angebot und das gebotene Preis- Leistungsverhältnis reichen dazu aber nicht aus. Man sollte über seinen eigenen Schatten springen und wirklich neue Wege gehen. Hierzu braucht es Mut und einen kühlen Kopf. Neben der eigentlichen Fußballveranstaltung muss es ein kleines aber attraktives Familienprogramm geben, um gleichermaßen alle Altersklassen aktiv anzusprechen.

Keine authentischen Führungspersönlichkeiten
In einen Fußballklub gehören Leute mit Fußball-Verstand. Selbstverständlich muss der Kassenwart nicht das Für und Wider einer „Doppel-Sechs“ erörtern können, aber zentrale Stellen sollten mit Personen besetzt sein die selbst, auf welcher Ebene auch immer, mit Leidenschaft gespielt haben und die Fußballersprache kennen. Reine „Krawattenträger“ jedweder Couleur können passen, sind aber eher mit Vorsicht zu genießen. Solche Leute richten sich schnell wohnlich ein und verteidigen in erster Linie mit List und Tücke ihre Position und verwalten den Klub unter Umständen zu Tode. Solche Verwaltungstypen erklären, bevorzugt hinterher, immer gerne alles, vor allem, dass sie selbst an Versäumnissen und Fehlern völlig unschuldig seien, sind aber ansonsten eher kontraproduktiv.

Zielvorgabe: immer ausverkauft
So häufig man auch immer noch die Erinnerungen an alte gute Zeiten lesen kann, ich würde davon abraten, diese Zeiten wieder mit allem „drum und dran“ wieder herbeizusehnen. Die Zeiten ändern sich und ich bin der Meinung, dass das „Erlebnis Heimspiel“ derart attraktiv gestaltet werden kann und muss, dass jedes Heimspiel innerhalb der Saison ausverkauft ist. Um eine derart ehrgeizige Zielvorgabe zu erreichen, muss das Angebot natürlich auf ein breites Publikum ausgerichtet werden. Das Weihnachts- oder Adventssingen ist nur ein Beispiel dafür, dass viele „ganz normale“ Bürger bevorzugt das Gemeinschaftserlebnis suchen. Wie sich Fußball bestmöglich mit anderen, völlig neuen Angeboten verkuppeln lässt, dazu ist Phantasie und ein gewisser Wagemut notwendig aber ich halte dies nicht nur für möglich, sondern langfristig ohnehin für unerlässlich. Gegebenenfalls ist Interesse bei großen Firmen oder Innungen zu vermuten, für ein einzelnes Heimspiel eine Art Patenschaft zu übernehmen und sich entsprechend großzügig vor Ort zu präsentieren. Alles nur willkürliche Ad-hoc-Beispiele, aber eine solche Ideensammlung ließe sich beliebig verlängern.

Preise runter - Zuschauerzahl rauf
Neben dem Kern des Fußballspiels muss, angefangen von einer wirklich attraktiven Preisgestaltung, das Catering in allen unterschiedlichen Kategorien außergewöhnlich gut sein, besonders im unteren Bereich müssen absolute Tiefstpreise oberstes Gebot sein. Für besondere Bereiche: Schulen, Fußballklubs, Sportvereine etc. sollte ein wirklich großzügiges Kontingent an Freikarten verfügbar sein um ein solides Fundament für eine fortwährende Vollauslastung und für eine wachsende Fan-Gemeinschaft zu legen. Um im Erwachsenenbereich die Auslastung zu verbessern, sollte der Prozentsatz der Dauerkarten dramatisch erhöht werden, was sich durch eine ausgetüftelte Preispolitik wohl auch erreichen ließe.

Neues Image und ein größeres Angebot
Neues Gemeinschaftsgefühl - mehr als „nur“ Fußball - das 14-tägige Treffen muss zu einer unverzichtbaren Kult-Veranstaltung mit Suchtcharakter werden - alle Zuschauer sollten aktiver Teil eines großen Spektakels sein. Zwecks Authentizität sollten diesbezüglich junge unverbrauchte Gesichter den Klub verkörpern. Die momentan tätigen „Totengräber“ eignen sich hierfür allerdings genau so wenig wie völlig undurchsichtige und leicht zwielichtig wirkende Investorengruppen.

Mut zur Masse
Insgesamt sollten alle Angebote darauf abzielen, eine gesamte Saison abzudecken anstatt vorrangig 17 oder 18 Einzelereignisse zu vermarkten. Dass der Hin- und Rücktransport durch ein kundenorientiertes Kombi-Ticket seitens des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) unterstützt wird, ist selbstverständlich. Bei soviel Preisnachlass und / oder Rabatt stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Gesamt-Kalkulation dennoch aufgehen kann, aber eine „volle Hütte“ rechnet sich meines Erachtens nicht nur deutlich leichter als ein beinahe leeres Stadion, eine Vollauslastung begünstigt alle angegliederten Bereiche. Selbstverständlich braucht es hierzu Mut in der Vorbereitung und Konsequenz in der Durchführung.

Mit der Masse kommen zwangsläufig auch Sponsoren. Statt sich in endlosen Selbstzweifeln und unglaubwürdigen Demutsübungen zu verlieren, ist ein ausverkauftes Haus immer noch die beste Eigenwerbung.

Letzter Satz: Die automatische Zeichenbegrenzung hindert mich daran (noch 'mal Schwein gehabt), noch mehr zu schrei...
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  #7  
Alt 03.09.2016, 22:38
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Zitat:
Zitat von Franz Wirtz Beitrag anzeigen
Mein größtes Problem dabei ist, dass ich seit 30 Jahren schon kein Alemannia-Spiel mehr im heimischen (alten) Tivoli mehr gesehen habe. (...) Trotz dermaßen vieler guten Begleitumstände und des tollen Spielverlaufs war ich von der merkwürdig aggressiven Grundstimmung auf einzelnen Rängen nicht begeistert. Weder die gegnerische Mannschaft, noch deren Anhang, lieferten einen Grund für irgendwelche Feindseligkeiten.
(...)
Wie bereits erwähnt hatte mich bereits bei meinem ersten Besuch die völlig unverständliche, latent vorhandene Krawall-Atmosphäre abgestoßen, (...)
Kann und will die Alemannia sich ein neues modernes Image aneignen, sollte auch das Erscheinungsbild vergangener Tage kritisch begutachtet werden. Erschwerend hinzu kommt noch, dass man sich auch heute noch (allzu) gerne daran erinnert, dass man mangels spielerischer Mittel gerne mal „die Axt 'rausholte“, sprich eher die kämpferische Note suchte. (...)
Die kämpferische Note als bevorzugtes Stilmittel zu betonen ist selbstverständlich in Ordnung, stellt aber andererseits eine ständige Gratwanderung dar und wird spätestens dann fragwürdig, wenn es als wichtigstes Kennzeichen einer Mannschaft überhöht wird.
(...)
Um das Stadion dauerhaft voll zu bekommen müssen sich auch „normale“ Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren wohlfühlen dürfen, die wahren Fußballkenner alten Schlages sind zahlenmäßig eine zu kleine Gruppe, um sich dauerhaft auf sie zu beschränken. (...) Die reinen Fußballkenner sind ein kritisches Volk, stimmt die Leistung kommen sie, fällt die Leistung ab, bleiben sie zunehmend weg. Es wäre ein Riesenfortschritt, und das muss das Ziel sein, gelänge es, eine Publikumsstruktur aufzubauen die unabhängig vom Tabellenstand ihre Mannschaft anfeuern möchte und vorrangig das Gemeinschaftserlebnis sucht.
(...)
In der aktuellen Lage müssen massenhaft Zuschauer ins Stadion gelockt werden, dass bislang präsentierte Angebot und das gebotene Preis- Leistungsverhältnis reichen dazu aber nicht aus. (...) Neben der eigentlichen Fußballveranstaltung muss es ein kleines aber attraktives Familienprogramm geben, um gleichermaßen alle Altersklassen aktiv anzusprechen.
(...) Die Zeiten ändern sich und ich bin der Meinung, dass das „Erlebnis Heimspiel“ derart attraktiv gestaltet werden kann und muss, dass jedes Heimspiel innerhalb der Saison ausverkauft ist. Um eine derart ehrgeizige Zielvorgabe zu erreichen, muss das Angebot natürlich auf ein breites Publikum ausgerichtet werden. (...)
Neben dem Kern des Fußballspiels muss, angefangen von einer wirklich attraktiven Preisgestaltung, das Catering in allen unterschiedlichen Kategorien außergewöhnlich gut sein, besonders im unteren Bereich müssen absolute Tiefstpreise oberstes Gebot sein.
(...) Neues Gemeinschaftsgefühl - mehr als „nur“ Fußball - das 14-tägige Treffen muss zu einer unverzichtbaren Kult-Veranstaltung mit Suchtcharakter werden - alle Zuschauer sollten aktiver Teil eines großen Spektakels sein. (...)
Mit der Masse kommen zwangsläufig auch Sponsoren. Statt sich in endlosen Selbstzweifeln und unglaubwürdigen Demutsübungen zu verlieren, ist ein ausverkauftes Haus immer noch die beste Eigenwerbung.
Mein lieber Franz Wirtz, ich habe im Quote mal versucht, Deine Kernaussagen herauszudestillieren. Ich bin mir nicht sicher, ob wir nach derselben "Kultveranstaltung mit Suchtcharakter" streben.

Ohne jetzt die alte Debatte um "echte" vs. "Modefans" wieder herauszukramen: Was Du hier in aller Rationalität skizzierst, erinnert mich eher an Football-Veranstaltungen in den USA (oder an RedBull Leipzig). Das Rahmenprogramm muss stimmen, friedliche Massen schauen mehr oder weniger interessiert auch mal auf das Geschehen auf dem Rasen. Wichtiger aber sind billiges Popcorn und Burger sowie die Wotax-Hüpfburg, und Robert springt in der HZ durch den AM-Feuerreifen und präsentiert dabei die Ergebnisse ... Sorry, ich vereinfache stark und werde Dir sicher nicht gerecht.

Das Missverständnis liegt wohl im Konflikt zwischen Ratio und Kult.

Unsere Alemannia ist und bleibt ein Kultclub, egal in welcher Liga. Das ist unser Selbstverständnis, ist aber natürlich auch in modernen Zeiten ein Kern des Problems. Viele hängen am Verein, weil er jahrzehntelang genau das geliefert hat und an guten Tagen auch heute liefert, was Du als eher unangenehm empfindest: ein grelliger Underdog, bei dem Fußball gearbeitet wird; der die Gegner respektiert, aber mit (fast) allen Mitteln bekämpft; der ein großes Herz hat und ungerechte Behandlung, Schauspielertum und Arroganz verachtet; der für viele Heimat ist. Denn es treffen sich der Fränz und auch der Jupp, der Öcher Krau und auch die haute volée. Das hat uns immer stark gemacht, und dieser Mythos wird nicht sterben.

Ja, es klingt altbacken und traditionell, aber im Prinzip ist es ganz einfach: Wenn auf dem Rasen die Leistung stimmt, das Klima im Verein OK ist, das Band zwischen uns auf den Rängen und denen mit dem Adler auf der Brust ganz fest ist, hauchen wir auch unserem wunderschönen Stadion endlich das Leben ein, das es verdient, und die Hütte ist voll. Ganz einfach. Das große Spektakel, das Du beschwörst, findet dann zwischen den beiden Toren statt, und sonst nirgendwo.

Und ich finde, dass der eingeschlagene Weg nicht der schlechteste ist. Und dabei habe ich noch gar nichts über Investoren gesagt...
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Schwarz-Gelbsucht (05.09.2016)
  #8  
Alt 04.09.2016, 09:30
Franz Wirtz Franz Wirtz ist offline
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Mehr als "nur" Fußball

Du konzentrierst Dich in Deiner Antwort im wesentlichen auf den „grelligen Underdog“ mit all' seinen Begleiterscheinungen. Gegen einen entsprechenden Auftritt einer Fußballtruppe habe ich keinerlei Einwände, allerdings muss ein Mindestmaß an Fairness gegeben sein. Ich würde es ausdrücklich begrüßen, würde man vorrangig das eigene Team anfeuern, anstatt das gegnerische zu verunglimpfen. Von einer derart positiv heraufbeschworenen Stimmung würden letztlich alle profitieren.

Wie Du anhand meiner Vorschläge von:

Neues Gemeinschaftsgefühl - mehr als „nur“ Fußball - das 14-tägige Treffen muss zu einer unverzichtbaren Kult-Veranstaltung mit Suchtcharakter werden - alle Zuschauer sollten aktiver Teil eines großen Spektakels sein.

zu teilnahmslos zuschauenden und Fast-Food mampfenden US-amerikanischen Football-Zuschauern kommst, erschließt sich mir nicht unmittelbar.


Zitat: „Wenn auf dem Rasen die Leistung stimmt, das Klima im Verein OK ist, das Band zwischen uns auf den Rängen und denen mit dem Adler auf der Brust ganz fest ist, hauchen wir auch unserem wunderschönen Stadion endlich das Leben ein, das es verdient, und die Hütte ist voll. Ganz einfach. (...)“


Entschuldigung, aber an der Stelle muss ich doch schmunzeln. Wir reden im Moment doch über die Alemannia, die noch vor 10 Jahren erstklassig war und seither einen grandiosen wirtschaftlichen wie sportlichen Absturz hinter sich gebracht hat und im Moment völlig perspektivlos in der 4.Liga umherirrt? Eine Alemannia, der selbst die eigene Führungsspitze keinerlei Chance auf einen zeitnahen sportlichen Aufstieg mehr einräumt und von daher den mehrheitlichen Verkauf der GmbH-Anteile forciert?

„Unsere Alemannia ist und bleibt ein Kultclub, egal in welcher Liga. Das ist unser Selbstverständnis, ist aber natürlich auch in modernen Zeiten ein Kern des Problems. Viele hängen am Verein, weil er jahrzehntelang genau das geliefert hat und an guten Tagen auch heute liefert, was Du als eher unangenehm empfindest: ein grelliger Underdog, bei dem Fußball gearbeitet wird; der die Gegner respektiert, aber mit (fast) allen Mitteln bekämpft; der ein großes Herz hat und ungerechte Behandlung, Schauspielertum und Arroganz verachtet; der für viele Heimat ist. Denn es treffen sich der Fränz und auch der Jupp, der Öcher Krau und auch die haute volée. Das hat uns immer stark gemacht, und dieser Mythos wird nicht sterben. (...)“

Ein Widerspruch in sich?
Mir will' es unter anderem nicht in den Kopf, wie Anhänger eines angeblichen Kultklubs auf die absurde Idee kommen, diesen an irgendeinen „Harry Hirsch“ verkaufen zu wollen. Die Meinungsbildung hierzu ist ja noch nicht abgeschlossen und die Entscheidung fällt erst bei einer außerordentlichen Hauptversammlung, aber legt man als Generalprobe die letzte JHV zugrunde, muss man wohl mit dem Schlimmsten rechnen. Sagenhafte 5 % der Vereinsmitglieder waren dazu erschienen und ein Antrag zur Begrenzung der zu veräußernden GmbH-Anteile wurde gnadenlos abgeschmettert. Ich war selbstredend nicht dabei, aber war da auch von „Heimat“ die Rede und alle gemeinsam haben die Vereinshymne gesungen? Das was anschließend zu lesen war klang nicht ganz so einvernehmlich.

Und ich finde, dass der eingeschlagene Weg nicht der schlechteste ist. Und dabei habe ich noch gar nichts über Investoren gesagt...“

Höre ich da eine gewisse Doppelzüngigkeit?
Welchen „eingeschlagenen Weg“ befürwortest Du denn? Es ist ausgesprochen schade, dass Du Dich ausgerechnet bezüglich des Einstiegs der in Rede stehenden Investoren-Gruppe überhaupt nicht äußerst, denn das ist schließlich der springende Punkt: Verhökert man die Seele des Klubs oder traut und mutet man es sich zu, aus eigener Kraft am Leben zu bleiben und langfristig wieder hoch zu kommen? Dann müsste man sich allerdings tatsächlich konkret damit auseinandersetzen, wie dieses Ziel zu erreichen ist, anstatt nur allgemein auf zugegebenermaßen schlecht klingende eigene Erfahrungen bei amerikanischen Football-Veranstaltungen zu verweisen.

Den Fußball zur Nebensache verkommen zu lassen darf natürlich niemals angestrebt werden, allerdings erscheint mir das bloße Festhalten an einem althergebrachten Selbstverständnis bei einem Zuschauerschnitt von 5.800 pro Heimspiel und einem entsprechendem Minus in der Kasse als nicht ausreichend und verwegen, stellt sich schließlich weiterhin die Frage:

„Wer soll das bezahlen?“

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Alt 04.09.2016, 11:08
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Braveheart Braveheart ist offline
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Zitat von Franz Wirtz Beitrag anzeigen
Wir reden im Moment doch über die Alemannia, die noch vor 10 Jahren erstklassig war und seither einen grandiosen wirtschaftlichen wie sportlichen Absturz hinter sich gebracht hat und im Moment völlig perspektivlos in der 4.Liga umherirrt? Eine Alemannia, der selbst die eigene Führungsspitze keinerlei Chance auf einen zeitnahen sportlichen Aufstieg mehr einräumt und von daher den mehrheitlichen Verkauf der GmbH-Anteile forciert?
(...)
Mir will' es unter anderem nicht in den Kopf, wie Anhänger eines angeblichen Kultklubs auf die absurde Idee kommen, diesen an irgendeinen „Harry Hirsch“ verkaufen zu wollen.
(...)
Welchen „eingeschlagenen Weg“ befürwortest Du denn? Es ist ausgesprochen schade, dass Du Dich ausgerechnet bezüglich des Einstiegs der in Rede stehenden Investoren-Gruppe überhaupt nicht äußerst, denn das ist schließlich der springende Punkt: Verhökert man die Seele des Klubs oder traut und mutet man es sich zu, aus eigener Kraft am Leben zu bleiben und langfristig wieder hoch zu kommen?
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Lieber Franz, vielleicht sind wir gar nicht so weit auseinander. Mich stört nur Deine These vom "neuen Selbstverständnis" - das kann man leider nicht verordnen. Wir sind, wer wir sind.

Zum "eingeschlagenen Weg": Hier arbeitet gerade eine Low-Budget-Truppe mit Herz und Eifer daran, zur Überraschung der Saison werden zu können. Diesen Weg möchte ich unterstützen.

Zur Investoren-Frage nur so viel: Bei sportlichem Erfolg werden wir natürlich für Investoren, aber auch für Sponsoren interessanter. Doch Geld allein kann niemals Gewähr für Erfolg sein, daher muss der Verein eine Sperrminorität behalten. Geld schießt nur dann Tore, wenn wir zum völligen Retortenclub à la Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, RedBull werden. Das möchte hier glaube ich niemand.

Anders herum wird ein Fußballschuh daraus: Unser Selbstbild vom "grelligen Underdog" gehört zu unserem Markenkern. Wenn wir dann noch Erfolg haben, löst sich auch das Ökonomische. Es ist ja alles schon diskutiert worden, aber ein Verweis auf das letzte Schubert-Jahr ist hier schon angebracht: Unerwartet standen wir vorne, die Hütte war voll bis ausverkauft, und nur Dilettantismus beförderte uns danach kurz vor die zweite Insolvenz.

Wichtig ist halt immer "aufm Platz". Dass wir "perspektivlos herumirren", das möchte ich entschieden bestreiten. Vielleicht haben wir ja endlich die Talsohle erreicht. Wenn man von dort dann den Blick erhebt, ist überall Licht am Ende der Düsternis.
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  #10  
Alt 04.09.2016, 13:00
Franz Wirtz Franz Wirtz ist offline
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Zitat: Zum "eingeschlagenen Weg": Hier arbeitet gerade eine Low-Budget-Truppe mit Herz und Eifer daran, zur Überraschung der Saison werden zu können. Diesen Weg möchte ich unterstützen.

Zur Investoren-Frage nur so viel: Bei sportlichem Erfolg werden wir natürlich für Investoren, aber auch für Sponsoren interessanter. Doch Geld allein kann niemals Gewähr für Erfolg sein, daher muss der Verein eine Sperrminorität behalten. Geld schießt nur dann Tore, wenn wir zum völligen Retortenclub à la Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, RedBull werden. Das möchte hier glaube ich niemand.

Anders herum wird ein Fußballschuh daraus: Unser Selbstbild vom "grelligen Underdog" gehört zu unserem Markenkern. Wenn wir dann noch Erfolg haben, löst sich auch das Ökonomische. Es ist ja alles schon diskutiert worden, aber ein Verweis auf das letzte Schubert-Jahr ist hier schon angebracht: Unerwartet standen wir vorne, die Hütte war voll bis ausverkauft, und nur Dilettantismus beförderte uns danach kurz vor die zweite Insolvenz.

Wichtig ist halt immer "aufm Platz". Dass wir "perspektivlos herumirren", das möchte ich entschieden bestreiten. Vielleicht haben wir ja endlich die Talsohle erreicht. Wenn man von dort dann den Blick erhebt, ist überall Licht am Ende der Düsternis.[/QUOTE] Zitat-Ende


Der eingeschlagene Weg ...

Mein Rundumschlag und meine vielfältigen Äußerungen, das Selbstverständnis ist ja lediglich ein Gesichtspunkt, war vorrangig der Tatsache geschuldet, dass ich in diesem Forum völlig neu bin und ich nicht „unter falscher Flagge segeln“ wollte und mich deswegen erst einmal selbst vorstellen wollte. Zum anderen habe ich diesen für andere sicherlich ungewöhnlichen Rundumschlag auch deswegen versucht, um den vielen fordernden Fragestellern nach den Alternativen zu einer Investorenlösung endlich einmal zumindest eine mögliche Form einer umfassenden Antwort zu liefern.

Wenn ich das richtig verfolge, liefern zwar jede Menge Fans vernünftige Ansätze, allerdings werden diese scheinbar nicht ernst genommen. Es drängt sich der Eindruck auf, käme ein Investor in's Spiel und würde verkünden, dass er den Laden gerne 'mal, um Kosten zu sparen, richtig aufräumen möchte, bekäme er dafür mächtig Applaus, während der gleiche Vorschlag von Fan-Seite geäußert, im Moment einfach weggewischt wird.

Der Low-Budget-Truppe wünsche ich selbstverständlich viel Erfolg, allerdings wird sich ein angestrebter Aufstieg angesichts der aktuellen Wettbewerbssituation sehr schwierig darstellen. Meine Formulierung der völligen Perspektivlosigkeit bezog sich allerdings auch nicht auf die Mannschaft, sondern auf den Klub insgesamt, denn ungeachtet der Erfolge der Mannschaft haben sich bekanntlich die Führungsspitze der Alemannia-GmbH und fatalerweise auch die des e.V. schon längst eindeutig für eine zukünftige Fremdbestimmung ausgesprochen, diese sogar als alternativlos dargestellt und mit Konsequenzen gedroht, falls die Mitglieder diesen Weg nicht mitgehen möchten.

Soweit ich die Äußerungen der GmbH-Spitze verstanden habe, streben die in Frage kommenden Investoren eine Beteiligung von bis zu 80 % an. Damit hätte sich der Wunsch nach einer Sperrminorität erledigt. Insofern war ich schon von der bereits stattgefundenen Abstimmung anlässlich der letzten JHV entsetzt.

Das (Wieder-) Auftauchen von nennenswerten Sponsoren ließe sich meines Erachtens eher durch ein (neues) positives Erscheinungsbild befördern als durch einen erhofften sportlichen Erfolg. Erstens, weil der sportliche Erfolg wahrscheinlich noch Jahre entfernt ist und zweitens, wenn es wirklich gelänge ein breiteres Publikum zu gewinnen, dies garantiert von möglichen Sponsoren gesehen und bewertet würde. Der Markenkern „grelliger Underdog“ muss ja nicht vollständig über Bord geworfen werden, ein zeitgemäßes Upgrade würde schon helfen.

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Aix Trawurst (04.09.2016), Braveheart (04.09.2016), Dibe (04.09.2016), Huckleberry Finn (04.09.2016)
  #11  
Alt 04.09.2016, 19:50
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Zitat: Zum "eingeschlagenen Weg": Hier arbeitet gerade eine Low-Budget-Truppe mit Herz und Eifer daran, zur Überraschung der Saison werden zu können. Diesen Weg möchte ich unterstützen.

Zur Investoren-Frage nur so viel: Bei sportlichem Erfolg werden wir natürlich für Investoren, aber auch für Sponsoren interessanter. Doch Geld allein kann niemals Gewähr für Erfolg sein, daher muss der Verein eine Sperrminorität behalten. Geld schießt nur dann Tore, wenn wir zum völligen Retortenclub à la Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, RedBull werden. Das möchte hier glaube ich niemand.

Anders herum wird ein Fußballschuh daraus: Unser Selbstbild vom "grelligen Underdog" gehört zu unserem Markenkern. Wenn wir dann noch Erfolg haben, löst sich auch das Ökonomische. Es ist ja alles schon diskutiert worden, aber ein Verweis auf das letzte Schubert-Jahr ist hier schon angebracht: Unerwartet standen wir vorne, die Hütte war voll bis ausverkauft, und nur Dilettantismus beförderte uns danach kurz vor die zweite Insolvenz.

Wichtig ist halt immer "aufm Platz". Dass wir "perspektivlos herumirren", das möchte ich entschieden bestreiten. Vielleicht haben wir ja endlich die Talsohle erreicht. Wenn man von dort dann den Blick erhebt, ist überall Licht am Ende der Düsternis.
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Der eingeschlagene Weg ...

Mein Rundumschlag und meine vielfältigen Äußerungen, das Selbstverständnis ist ja lediglich ein Gesichtspunkt, war vorrangig der Tatsache geschuldet, dass ich in diesem Forum völlig neu bin und ich nicht „unter falscher Flagge segeln“ wollte und mich deswegen erst einmal selbst vorstellen wollte. Zum anderen habe ich diesen für andere sicherlich ungewöhnlichen Rundumschlag auch deswegen versucht, um den vielen fordernden Fragestellern nach den Alternativen zu einer Investorenlösung endlich einmal zumindest eine mögliche Form einer umfassenden Antwort zu liefern.

Wenn ich das richtig verfolge, liefern zwar jede Menge Fans vernünftige Ansätze, allerdings werden diese scheinbar nicht ernst genommen. Es drängt sich der Eindruck auf, käme ein Investor in's Spiel und würde verkünden, dass er den Laden gerne 'mal, um Kosten zu sparen, richtig aufräumen möchte, bekäme er dafür mächtig Applaus, während der gleiche Vorschlag von Fan-Seite geäußert, im Moment einfach weggewischt wird.

Der Low-Budget-Truppe wünsche ich selbstverständlich viel Erfolg, allerdings wird sich ein angestrebter Aufstieg angesichts der aktuellen Wettbewerbssituation sehr schwierig darstellen. Meine Formulierung der völligen Perspektivlosigkeit bezog sich allerdings auch nicht auf die Mannschaft, sondern auf den Klub insgesamt, denn ungeachtet der Erfolge der Mannschaft haben sich bekanntlich die Führungsspitze der Alemannia-GmbH und fatalerweise auch die des e.V. schon längst eindeutig für eine zukünftige Fremdbestimmung ausgesprochen, diese sogar als alternativlos dargestellt und mit Konsequenzen gedroht, falls die Mitglieder diesen Weg nicht mitgehen möchten.

Soweit ich die Äußerungen der GmbH-Spitze verstanden habe, streben die in Frage kommenden Investoren eine Beteiligung von bis zu 80 % an. Damit hätte sich der Wunsch nach einer Sperrminorität erledigt. Insofern war ich schon von der bereits stattgefundenen Abstimmung anlässlich der letzten JHV entsetzt.

Das (Wieder-) Auftauchen von nennenswerten Sponsoren ließe sich meines Erachtens eher durch ein (neues) positives Erscheinungsbild befördern als durch einen erhofften sportlichen Erfolg. Erstens, weil der sportliche Erfolg wahrscheinlich noch Jahre entfernt ist und zweitens, wenn es wirklich gelänge ein breiteres Publikum zu gewinnen, dies garantiert von möglichen Sponsoren gesehen und bewertet würde. Der Markenkern „grelliger Underdog“ muss ja nicht vollständig über Bord geworfen werden, ein zeitgemäßes Upgrade würde schon helfen.

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Für Ihre Beiträge bin ich Ihnen außerordentlich dankbar . Für mich einer der Top 5 Beiträge seitdem ich in diesem Forum bin . Dank und Respekt für alles was Sie hier zu " Papier " gebracht haben .
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  #12  
Alt 04.09.2016, 19:50
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Der eingeschlagene Weg ...

Mein Rundumschlag und meine vielfältigen Äußerungen, das Selbstverständnis ist ja lediglich ein Gesichtspunkt, war vorrangig der Tatsache geschuldet, dass ich in diesem Forum völlig neu bin und ich nicht „unter falscher Flagge segeln“ wollte und mich deswegen erst einmal selbst vorstellen wollte. Zum anderen habe ich diesen für andere sicherlich ungewöhnlichen Rundumschlag auch deswegen versucht, um den vielen fordernden Fragestellern nach den Alternativen zu einer Investorenlösung endlich einmal zumindest eine mögliche Form einer umfassenden Antwort zu liefern.

Wenn ich das richtig verfolge, liefern zwar jede Menge Fans vernünftige Ansätze, allerdings werden diese scheinbar nicht ernst genommen. Es drängt sich der Eindruck auf, käme ein Investor in's Spiel und würde verkünden, dass er den Laden gerne 'mal, um Kosten zu sparen, richtig aufräumen möchte, bekäme er dafür mächtig Applaus, während der gleiche Vorschlag von Fan-Seite geäußert, im Moment einfach weggewischt wird.

Der Low-Budget-Truppe wünsche ich selbstverständlich viel Erfolg, allerdings wird sich ein angestrebter Aufstieg angesichts der aktuellen Wettbewerbssituation sehr schwierig darstellen. Meine Formulierung der völligen Perspektivlosigkeit bezog sich allerdings auch nicht auf die Mannschaft, sondern auf den Klub insgesamt, denn ungeachtet der Erfolge der Mannschaft haben sich bekanntlich die Führungsspitze der Alemannia-GmbH und fatalerweise auch die des e.V. schon längst eindeutig für eine zukünftige Fremdbestimmung ausgesprochen, diese sogar als alternativlos dargestellt und mit Konsequenzen gedroht, falls die Mitglieder diesen Weg nicht mitgehen möchten.

Soweit ich die Äußerungen der GmbH-Spitze verstanden habe, streben die in Frage kommenden Investoren eine Beteiligung von bis zu 80 % an. Damit hätte sich der Wunsch nach einer Sperrminorität erledigt. Insofern war ich schon von der bereits stattgefundenen Abstimmung anlässlich der letzten JHV entsetzt.

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  #13  
Alt 04.09.2016, 22:07
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...Sorry ich muss gerade mal lachen
Wer zitiert hier eigentlich wen?
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Zusammenstehen & Alemannia unterstützen.
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  #14  
Alt 05.09.2016, 15:59
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Ansichten eines bekennenden Nicht-Fans





Alles hat seine Zeit
Um das Stadion dauerhaft voll zu bekommen müssen sich auch „normale“ Kinder, Jugendliche, Familien und Senioren wohlfühlen dürfen, die wahren Fußballkenner alten Schlages sind zahlenmäßig eine zu kleine Gruppe, um sich dauerhaft auf sie zu beschränken. Die momentanen Spieler können und wollen scheinbar ohnehin nicht die Spielweise vergangener Tage kopieren, warum also weiterhin dieser Zeit nachtrauern, oder schlimmer noch, ihr vergebens hinterher hecheln? Die reinen Fußballkenner sind ein kritisches Volk, stimmt die Leistung kommen sie, fällt die Leistung ab, bleiben sie zunehmend weg. Es wäre ein Riesenfortschritt, und das muss das Ziel sein, gelänge es, eine Publikumsstruktur aufzubauen die unabhängig vom Tabellenstand ihre Mannschaft anfeuern möchte und vorrangig das Gemeinschaftserlebnis sucht.

Zentrale Problemstellungen
  1. Gestörtes Selbstverständnis
  2. Kein einvernehmliches Fan-Verständnis
  3. Mangelnde Kundenorientierung
  4. Keine authentischen Führungspersönlichkeiten

Gestörtes Selbstverständnis
Eine gestörte Identität ist seit langem bereits das größte Problem der Alemannia. Der aktuell leider nicht mehr gerechtfertigte Anspruch, man gehöre (mindestens) in die 2.Bundesliga, paart sich mit einem nostalgisch angehauchten selbstgefälligen und überhöhten Underdog-Image. Dieses gestörte Selbstverständnis war immer schon das Fundament dafür, dass untalentierte und letztlich ungeeignete Personen ans Ruder gelangen konnten und übte dauerhaft einen schädlichen Einfluss auf die Fans und die Beziehung zueinander aus.

Kein einvernehmliches Fan-Verständnis
Typisch für das Verhältnis der Mitglieder und Fans zu den Führungsverantwortlichen des Vereins ist, dass zuverlässig immer erst „hinterher“ alles verteufelt und damit ins Gegenteil verkehrt wird, was jahrelang zuvor bejubelt wurde. In Ausnahmefällen läuft es umgekehrt, ausgerechnet Jörg Schmadtke wurde scheinbar nie richtig geliebt, heute allerdings von vielen vergöttert. Solange Geld da ist, und alle beliebig über ihre fußballerische Weitsicht palavern dürfen, ist die Welt in Ordnung. Ist die Kohle weg herrscht das blanke Chaos und erstaunlicherweise hatten alle es genau so kommen sehen.

Mangelnde Kundenorientierung
In der aktuellen Lage müssen massenhaft Zuschauer ins Stadion gelockt werden, dass bislang präsentierte Angebot und das gebotene Preis- Leistungsverhältnis reichen dazu aber nicht aus. Man sollte über seinen eigenen Schatten springen und wirklich neue Wege gehen. Hierzu braucht es Mut und einen kühlen Kopf. Neben der eigentlichen Fußballveranstaltung muss es ein kleines aber attraktives Familienprogramm geben, um gleichermaßen alle Altersklassen aktiv anzusprechen.

Keine authentischen Führungspersönlichkeiten
In einen Fußballklub gehören Leute mit Fußball-Verstand. Selbstverständlich muss der Kassenwart nicht das Für und Wider einer „Doppel-Sechs“ erörtern können, aber zentrale Stellen sollten mit Personen besetzt sein die selbst, auf welcher Ebene auch immer, mit Leidenschaft gespielt haben und die Fußballersprache kennen. Reine „Krawattenträger“ jedweder Couleur können passen, sind aber eher mit Vorsicht zu genießen. Solche Leute richten sich schnell wohnlich ein und verteidigen in erster Linie mit List und Tücke ihre Position und verwalten den Klub unter Umständen zu Tode. Solche Verwaltungstypen erklären, bevorzugt hinterher, immer gerne alles, vor allem, dass sie selbst an Versäumnissen und Fehlern völlig unschuldig seien, sind aber ansonsten eher kontraproduktiv.

Zielvorgabe: immer ausverkauft
So häufig man auch immer noch die Erinnerungen an alte gute Zeiten lesen kann, ich würde davon abraten, diese Zeiten wieder mit allem „drum und dran“ wieder herbeizusehnen. Die Zeiten ändern sich und ich bin der Meinung, dass das „Erlebnis Heimspiel“ derart attraktiv gestaltet werden kann und muss, dass jedes Heimspiel innerhalb der Saison ausverkauft ist. Um eine derart ehrgeizige Zielvorgabe zu erreichen, muss das Angebot natürlich auf ein breites Publikum ausgerichtet werden. Das Weihnachts- oder Adventssingen ist nur ein Beispiel dafür, dass viele „ganz normale“ Bürger bevorzugt das Gemeinschaftserlebnis suchen. Wie sich Fußball bestmöglich mit anderen, völlig neuen Angeboten verkuppeln lässt, dazu ist Phantasie und ein gewisser Wagemut notwendig aber ich halte dies nicht nur für möglich, sondern langfristig ohnehin für unerlässlich. Gegebenenfalls ist Interesse bei großen Firmen oder Innungen zu vermuten, für ein einzelnes Heimspiel eine Art Patenschaft zu übernehmen und sich entsprechend großzügig vor Ort zu präsentieren. Alles nur willkürliche Ad-hoc-Beispiele, aber eine solche Ideensammlung ließe sich beliebig verlängern.

Preise runter - Zuschauerzahl rauf
Neben dem Kern des Fußballspiels muss, angefangen von einer wirklich attraktiven Preisgestaltung, das Catering in allen unterschiedlichen Kategorien außergewöhnlich gut sein, besonders im unteren Bereich müssen absolute Tiefstpreise oberstes Gebot sein. Für besondere Bereiche: Schulen, Fußballklubs, Sportvereine etc. sollte ein wirklich großzügiges Kontingent an Freikarten verfügbar sein um ein solides Fundament für eine fortwährende Vollauslastung und für eine wachsende Fan-Gemeinschaft zu legen. Um im Erwachsenenbereich die Auslastung zu verbessern, sollte der Prozentsatz der Dauerkarten dramatisch erhöht werden, was sich durch eine ausgetüftelte Preispolitik wohl auch erreichen ließe.

Neues Image und ein größeres Angebot
Neues Gemeinschaftsgefühl - mehr als „nur“ Fußball - das 14-tägige Treffen muss zu einer unverzichtbaren Kult-Veranstaltung mit Suchtcharakter werden - alle Zuschauer sollten aktiver Teil eines großen Spektakels sein. Zwecks Authentizität sollten diesbezüglich junge unverbrauchte Gesichter den Klub verkörpern. Die momentan tätigen „Totengräber“ eignen sich hierfür allerdings genau so wenig wie völlig undurchsichtige und leicht zwielichtig wirkende Investorengruppen.

Mut zur Masse
Insgesamt sollten alle Angebote darauf abzielen, eine gesamte Saison abzudecken anstatt vorrangig 17 oder 18 Einzelereignisse zu vermarkten. Dass der Hin- und Rücktransport durch ein kundenorientiertes Kombi-Ticket seitens des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) unterstützt wird, ist selbstverständlich. Bei soviel Preisnachlass und / oder Rabatt stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Gesamt-Kalkulation dennoch aufgehen kann, aber eine „volle Hütte“ rechnet sich meines Erachtens nicht nur deutlich leichter als ein beinahe leeres Stadion, eine Vollauslastung begünstigt alle angegliederten Bereiche. Selbstverständlich braucht es hierzu Mut in der Vorbereitung und Konsequenz in der Durchführung.

Mit der Masse kommen zwangsläufig auch Sponsoren. Statt sich in endlosen Selbstzweifeln und unglaubwürdigen Demutsübungen zu verlieren, ist ein ausverkauftes Haus immer noch die beste Eigenwerbung.
Zunächst mal, vielen Dank für die Zeit und Arbeit, die Du in Deine Beiträge hier gesetzt hast und mit denen Du versuchst hast, zu einer rationalen und sachlichen Analyse/Standortbestimmung zu kommen.

Ohne jetzt auf alle Punkte im Einzelnen einzugehen, die Deine, ich nenne es mal nüchterne Betrachtung u. Bestandsaufnahme von Außen, beinhaltet, erscheint mir dennoch ein Punkt ein wenig zu kurz zu kommen in Deiner Beschreibung. Ein vielleicht ganz banaler, der meines Erachtens die Sache wiederum nüchtern auf den Punkt bringt.

Neben aller Tradition, neben allem Mythos und allen Verklärungen gibt es etwas im Fußball, dass sich mit nichts wegmachen und ausgleichen lässt, auch mit keinem noch so tollen Konzept in Sachen Rahmenprogramm, Eventing oder was auch immer zur Attraktivitätssteigerung:

Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport und die Frage, ob man erfolgreich ist und es einem gelingt, Massen zu erreichen und zu mobilisieren, hängt schlussendlich vom sportlichen Erfolg ab. Da kannst Du Tingeltangel, Sonderangebote im Catering oder was auch immer zur scheinbaren Attraktivitätssteigerung machen, ohne sportliche Erfolge bringt das letztendlich nur eines, nämlich Nichts.

Umgekehrt, gewinnst Du Deine Spiele, bist sportlich erfolgreich, geht es um etwas und spielst du oben mit, wird eine Sache, auch und gerade hier in Oche, zum Selbstläufer und die Leute strömen wiederzuhauf ins Stadion, auch ganz ohne Schnickschnack drumherum. Garantiert.

Der Niedergang der Alemannia mit all dem, was wir heute haben, ist vor allem einem geschuldet, dem sportlichen Mißerfolg und dem Abstieg von einer Liga zur nächsten.

Über die Gründe dafür, Missmanagement, Inkompetenz, Größenwahn, Eitelkeit, Grabenkämpfe, falsche Strategien, verpulvern von Geld für sportferne Dinge, Abfindungen, Investieren in Steine statt in Beine etc. diskutieren wir hier seit Jahr und Tag rauf und runter.

Nur eines darf man denke ich nicht aus den Augen verlieren. Ohne sportlichen Erfolg wird die Alemannia nicht wieder hochkommen, auch wirtschaftlich.

Wenn dies nicht verstanden wird und die Entscheidungsträger in Zukunft dem nicht wirklich alles Andere unterordnen, wird die Alemannia es nicht schaffen.
__________________
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Folgende 11 Benutzer sagen Danke zu Oche_Alaaf_1958 für den nützlichen Beitrag:
a.tetzlaff (05.09.2016), Ahlemanne (05.09.2016), AIXtremist (08.09.2016), Black-Postit (05.09.2016), Blackthorne (05.09.2016), Heinsberger LandEi (06.09.2016), Horacio Troche (09.09.2016), Kreuzritter (06.09.2016), Landalemanne (08.09.2016), Öcher Wellenbrecher (05.09.2016), zauberwert (06.09.2016)
  #15  
Alt 06.09.2016, 17:00
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Der sportliche Erfolg ...

Zitat:
Zitat von Oche_Alaaf_1958 Beitrag anzeigen
Nur eines darf man denke ich nicht aus den Augen verlieren. Ohne sportlichen Erfolg wird die Alemannia nicht wieder hochkommen, auch wirtschaftlich.

Wenn dies nicht verstanden wird und die Entscheidungsträger in Zukunft dem nicht wirklich alles Andere unterordnen, wird die Alemannia es nicht schaffen.

Soweit sind wir in diesem Punkt nicht auseinander, allerdings würde ich zukünftig die Zuschauerbeteiligung deutlich erhöhen und zusätzlich absichern wollen:

Zitat aus meinem Artikel:
„Die reinen Fußballkenner sind ohnehin ein kritisches Volk, stimmt die Leistung kommen sie, fällt die Leistung ab, bleiben sie zunehmend weg. Es wäre ein Riesenfortschritt, und das muss das Ziel sein, gelänge es, eine Publikumsstruktur aufzubauen die unabhängig vom Tabellenstand ihre Mannschaft anfeuern möchte und vorrangig das Gemeinschaftserlebnis sucht. (...)“

Der sportliche Erfolg
Bei einem Profi-Fußballverein ist der sportliche Erfolg selbstredend ein zentrales Element. Was die Bindung der Fans zum Verein angeht, darf es allerdings niemals das wichtigste oder gar das einzig' bindende Element sein, denn sportlicher Erfolg ist (je nach Ausgangslage) nur im geringem Umfang planbar und die viel beschworene „Liebe zum Verein“ bewahrheitet sich am besten in trüben Krisenzeiten. Das gemeinsame Bestehen von Krisen stellt somit immer zeitgleich eine Chance für einen gebeutelten Klub dar, einerseits ist er gezwungen sich aufgrund wirtschaftlicher Zwänge neu zu ordnen und andererseits stärkt das Bestehen solcher Krisen die ohnehin schon enge Bindung zu seinen Fans.

Es ist selbstverständlich leicht nachzuvollziehen, dass Vereinsmitglieder, die gerne wieder echten Profi-Fußball auf der heimischen Anlage sehen möchten, sich einem auf den ersten Blick verführerischem Angebot gegenüber interessiert zeigen, aber hält dieses Angebot einem zweiten kritischen Blick stand? Ich meine nein, es gibt zu viele Risiken und „Pferdefüße“, die den mehrheitlichen Verkauf der Seele des Klubs zu den genannten, wahrhaft lächerlichen Konditionen nicht 'mal ansatzweise als gerechtfertigt erscheinen lassen. Für die im Raum stehenden Beträge lässt sich ein angestrebter Aufstieg nicht zuverlässig kaufen, im Gegenteil, Klubs die ohnehin schon über höhere Etats verfügen, können und werden gegebenenfalls nachlegen und der erhoffte Effekt verpufft vollkommen sinn- und ergebnislos.

Die „erahnte“ Kompetenz, die bei einem in Aussicht gestellten Investoren-Einstieg gleich mitgeliefert werden soll, kann ich nicht beurteilen, ich fürchte allerdings, dass die gleichermaßen unbekannten Fremdinteressen, die dummerweise gleichfalls mitkommen, diesen erhofften Zugewinn im negativen Sinne mindestens wieder ausgleichen.

Der erhoffte Investor ist das Abbild ihres Scheiterns
Eine Suche nach zusätzlichen Geldquellen wäre selbstverständlich in Ordnung, allerdings wird im vorliegenden Fall „das Pferd von hinten aufgezäumt.“ Wolfgang Hammer hätte sich einer präziseren Formulierung bedienen sollen und darauf hinweisen können, dass ausdrücklich das zur Zeit agierende Team sich außerstande sieht, nennenswerte Beträge einzuholen. Ein katastrophales Armutszeugnis für eine Truppe, die sich in erpresserischer Manier – „alle oder keiner“ – nach vorne gedrängt hat und sich nach ihrem kläglichen Scheitern jetzt einfach davon stehlen will und als letzte „Großtat“ ausgerechnet noch die Seele des Klubs verhökern möchte.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Wäre ich Vereinsmitglied, würde ich mir von den Verantwortlichen gerne einmal grundsätzlich deren Amtsverständnis erläutern lassen. Hat dieses Team überhaupt jemals die finanziellen Gegebenheiten akzeptiert oder, die Vermutung liegt nahe, hat man munter drauflos gewirtschaftet und erst jetzt, „am Ende der Fahnenstange“, darüber nachgedacht, wie schon wieder fehlende Geldbeträge hereingeholt werden können? Eine solch „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist meines Erachtens nur angesichts einer zu vermutenden außergewöhnlichen Nähe zum Rathaus erklärlich.

Ihr bestes Argument ist die eigene Unfähigkeit
Die beiden letzten Jahre gehen als eine vollständig sinnlose und verlorene Zeit in die Klubanalen ein. Der Klub hat viel Geld verloren und er hat darüberhinaus sein ohnehin schon geschrumpftes Rest-Renommee eingebüßt.

Es geht um mehr
Wer meint, fehlendes Geld sei das größte Problem der Alemannia, übersieht ein noch größeres. Der Verein verliert zunehmend seine Identität. Die letzten zehn Jahre belegen, wie schnell selbst ein ehemals von sich überzeugter Traditionsverein ins Bodenlose stürzen kann. Investoren können Geld einbringen, aber allein nur mehr Geld hilft nicht, im Gegenteil, es schärft die ohnehin hohe Erwartungshaltung und wird dafür sorgen, dass auch intern der Ton rauer wird. Bildlich gesprochen: Wer einem hungrigen Wolfsrudel ein Stück Fleisch ins Gehege wirft, sorgt auf jeden Fall für Stimmung, allerdings nicht unbedingt für mehr Harmonie im Team. Selbstverständlich muss vorrangig und in erster Linie wieder der direkte Zugang zu potenten Sponsoren geebnet werden. Aufgrund der dunklen Vergangenheit und der hinterlassenen „verbrannten Erde“ dränge ich diesbezüglich so konsequent auf einen zumindest ansatzweise erkennbaren Image-Wandel.

Zweifellos unterliegt der Klub in den nächsten Jahren einem großen Druck, aber er darf und muss die Tatsache für sich zu Nutzen wissen, dass irgendwelche Investoren gleichermaßen auf Zugeständnisse der Stadt angewiesen sind. Auch wenn ich grundsätzlich gegen übertriebene und unangemessene Geschenke zu Lasten der Steuerzahler bin, die Aussicht, dass diese zukünftig „privat“ kassiert würden, stößt in jedem Fall noch mehr ab. Allein die Vorstellung, welcher der angeblichen vielen Interessierten den Vorzug erhält, ruft böse Vorahnungen auf, wie eine solche Entscheidung hinter den Kulissen „gestaltet“ werden kann.

Die Mitglieder, die auf der wann auch immer stattfindenden außerordentlichen Hauptversammlung ihr Stimmrecht wahrnehmen dürfen, sollten sich ihrer augenblicklichen und einmaligen Macht bewusst sein. Vor allem aber sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass die Stadt sie, vorrangig aus purem Eigeninteresse, praktisch nicht fallen lassen kann.
.
__________________
„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“
Joachim Ringelnatz

Geändert von Franz Wirtz (07.09.2016 um 21:13 Uhr) Grund: Grammatik-Fehler
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Achim F. (06.09.2016), Aki (06.09.2016), Blackthorne (06.09.2016), cui.bono (06.09.2016), Heinsberger LandEi (07.09.2016), Kreuzritter (06.09.2016), tivolino (06.09.2016)
  #16  
Alt 06.09.2016, 22:52
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Zitat von Oche_Alaaf_1958 Beitrag anzeigen
Neben aller Tradition, neben allem Mythos und allen Verklärungen gibt es etwas im Fußball, dass sich mit nichts wegmachen und ausgleichen lässt, auch mit keinem noch so tollen Konzept in Sachen Rahmenprogramm, Eventing oder was auch immer zur Attraktivitätssteigerung:

Fußball ist und bleibt ein Ergebnissport .....
Nur was den alten Tivoli betrifft, war Fussball ein "Ergebnissport"
an dem man sich selber zuweilen noch aktiv beteiligen konnte.

Ein lautes "AAAARRGG" aus dem V-Block, dem gegnerischen Spieler
verspingt vor Schreck der Ball am Toraus & es gibt Abstoss.

High five ...

Da war man noch live und in Farbe dabay.


Ist jetzt etwas offTopic, & im Prinzip will ich Dir auch nur zustimmen.
__________________

De mortuis nil nisi bene


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Alt 07.09.2016, 10:50
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Zitat von Franz Wirtz Beitrag anzeigen
Soweit sind wir in diesem Punkt nicht auseinander, allerdings würde ich zukünftig die Zuschauerbeteiligung deutlich erhöhen und zusätzlich absichern wollen:

Zitat aus meinem Artikel:
„Die reinen Fußballkenner sind ohnehin ein kritisches Volk, stimmt die Leistung kommen sie, fällt die Leistung ab, bleiben sie zunehmend weg. Es wäre ein Riesenfortschritt, und das muss das Ziel sein, gelänge es, eine Publikumsstruktur aufzubauen die unabhängig vom Tabellenstand ihre Mannschaft anfeuern möchte und vorrangig das Gemeinschaftserlebnis sucht. (...)“

Der sportliche Erfolg
Bei einem Profi-Fußballverein ist der sportliche Erfolg selbstredend ein zentrales Element. Was die Bindung der Fans zum Verein angeht, darf es allerdings niemals das wichtigste oder gar das einzig' bindende Element sein, denn sportlicher Erfolg ist (je nach Ausgangslage) nur im geringem Umfang planbar und die viel beschworene „Liebe zum Verein“ bewahrheitet sich am besten in trüben Krisenzeiten. Das gemeinsame Bestehen von Krisen stellt somit immer zeitgleich eine Chance für einen gebeutelten Klub dar, einerseits ist er gezwungen sich aufgrund wirtschaftlicher Zwänge neu zu ordnen und andererseits stärkt das Bestehen solcher Krisen die ohnehin schon enge Bindung zu seinen Fans.

Es ist selbstverständlich leicht nachzuvollziehen, dass Vereinsmitglieder, die gerne wieder echten Profi-Fußball auf der heimischen Anlage sehen möchten, sich einem auf den ersten Blick verführerischem Angebot gegenüber interessiert zeigen, aber hält dieses Angebot einem zweiten kritischen Blick stand? Ich meine nein, es gibt zu viele Risiken und „Pferdefüße“, die den mehrheitlichen Verkauf der Seele des Klubs zu den genannten, wahrhaft lächerlichen Konditionen nicht 'mal ansatzweise als gerechtfertigt erscheinen lassen. Für die im Raum stehenden Beträge lässt sich ein angestrebter Aufstieg nicht zuverlässig kaufen, im Gegenteil, Klubs die ohnehin schon über höhere Etats verfügen, können und werden gegebenenfalls nachlegen und der erhoffte Effekt verpufft vollkommen sinn- und ergebnislos.

Die „erahnte“ Kompetenz, die bei einem in Aussicht gestellten Investoren-Einstieg gleich mitgeliefert werden soll, kann ich nicht beurteilen, ich fürchte allerdings, dass die gleichermaßen unbekannten Fremdinteressen, die dummerweise gleichfalls mitkommen, diesen erhofften Zugewinn im negativen Sinne mindestens wieder ausgleichen.

Der erhoffte Investor ist das Abbild ihres Scheiterns
Eine Suche nach zusätzlichen Geldquellen wäre selbstverständlich in Ordnung, allerdings wird im vorliegenden Fall „das Pferd von hinten aufgezäumt.“ Wolfgang Hammer hätte sich einer präziseren Formulierung bedienen sollen und darauf hinweisen können, dass ausdrücklich das zur Zeit agierende Team sich außerstande sieht, nennenswerte Beträge einzuholen. Ein katastrophales Armutszeugnis für eine Truppe, die sich in erpresserischer Manier – „alle oder keiner“ – nach vorne gedrängt hat und sich nach ihrem kläglichen Scheitern jetzt einfach davon stehlen will und als letzte „Großtat“ ausgerechnet noch die Seele des Klubs verhökern möchte.

Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Wäre ich Vereinsmitglied, würde ich mir von den Verantwortlichen gerne einmal grundsätzlich deren Amtsverständnis erläutern lassen. Hat dieses Team überhaupt jemals die finanziellen Gegebenheiten akzeptiert oder, die Vermutung liegt nahe, hat man munter drauflos gewirtschaftet und erst jetzt, „am Ende der Fahnenstange“, darüber nachgedacht, wie schon wieder fehlende Geldbeträge hereingeholt werden können? Eine solch „unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ ist meines Erachtens nur angesichts einer zu vermutenden außergewöhnlichen Nähe zum Rathaus erklärlich.

Ihr bestes Argument ist die eigene Unfähigkeit
Die beiden letzten Jahre gehen als eine vollständig sinnlose und verlorene Zeit in die Klubanalen ein. Der Klub hat viel Geld verloren und er hat darüberhinaus sein ohnehin schon geschrumpftes Rest-Renommee eingebüßt.

Es geht um mehr
Wer meint, fehlendes Geld sei das größte Problem der Alemannia, übersieht ein noch größeres. Der Verein verliert zunehmend seine Identität. Die letzten zehn Jahre belegen, wie schnell selbst ein ehemals von sich überzeugter Traditionsverein ins Bodenlose stürzen kann. Investoren können Geld einbringen, aber allein nur mehr Geld hilft nicht, im Gegenteil, es schärft die ohnehin hohe Erwartungshaltung und wird dafür sorgen, dass auch intern der Ton rauer wird. Bildlich gesprochen: Wer einem hungrigen Wolfsrudel ein Stück Fleisch ins Gehege wirft, sorgt auf jeden Fall für Stimmung, allerdings nicht unbedingt für mehr Harmonie im Team. Selbstverständlich muss vorrangig und in erster Linie wieder der direkte Zugang zu potenten Sponsoren geebnet werden. Aufgrund der dunklen Vergangenheit und der hinterlassenen „verbrannten Erde“ dränge ich diesbezüglich so konsequent auf einen zumindest ansatzweise erkennbaren Image-Wandel.

Zweifellos unterliegt der Klub in den nächsten Jahren einem großen Druck, aber er darf und muss die Tatsache für sich zu Nutzen wissen, dass irgendwelche Investoren gleichermaßen auf Zugeständnisse der Stadt angewiesen sind. Auch wenn ich grundsätzlich gegen übertriebene und unangemessene Geschenke zu Lasten der Steuerzahler bin, die Aussicht, dass diese zukünftig „privat“ kassiert würden, stößt in jedem Fall noch mehr ab. Allein die Vorstellung, wer der angeblichen vielen Interessierten den Vorzug erhält, ruft böse Vorahnungen auf, wie eine solche Entscheidung hinter den Kulissen „gestaltet“ werden kann.

Die Mitglieder, die auf der wann auch immer stattfindenden außerordentlichen Hauptversammlung ihr Stimmrecht wahrnehmen dürfen, sollten sich ihrer augenblicklichen und einmaligen Macht bewusst sein. Vor allem aber sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass die Stadt sie, vorrangig aus purem Eigeninteresse, praktisch nicht fallen lassen kann.
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In weiten Teilen stimme ich Dir zu, vor allem in der Sicht auf die Rolle der Entscheidungsträger und Gremien.

Nur wirft dies meines Erachtens einige entscheidende Fragen auf.

Wenn es nun tatsächlich so ist, dass unsere Verantwortlichen genau so sind, wie Du sie beschreibst, kann doch eigentlich nur die Konsquenz sein, dass sie weg müssen und wir komplett neue Leute in den Führungs- und Verantwortungsebenen brauchen.

Wenn man schon gegen den Einstieg von externem Einfluss, externen Leuten mit externen Finanzressourcen ist, dann kann doch sicherlich nicht die Alternative sein, mit den Leuten weiterzumachen, die uns in diese Lage gebracht haben und ein Glauben daran, dass diese uns dann in Zukunft plötzlich alleine auf den richtigen und erfolgreichen Weg bringen, kann nur eines sein, nämlich fatal bis naiv.

Von daher, und diesbezüglich denke ich, sind wir uns alle einig, darf es ein weiter so nicht geben und muss sich fundamntal etwas ändern.

Von daher ist die eigentliche Aufgabe in der Auseinandersetzung, wie es mit der Alemannia wieder voran gehen kann, die Frage und Suche nach echten und geeigneten Alternativen, vor allem auch in personaler Hinsicht bezüglich der Führungs- und Entscheidungsträger.
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Ehrlich? (08.09.2016)
  #18  
Alt 07.09.2016, 11:00
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Zitat von Oche_Alaaf_1958 Beitrag anzeigen
In weiten Teilen stimme ich Dir zu, vor allem in der Sicht auf die Rolle der Entscheidungsträger und Gremien.

Nur wirft dies meines Erachtens einige entscheidende Fragen auf.

Wenn es nun tatsächlich so ist, dass unsere Verantwortlichen genau so sind, wie Du sie beschreibst, kann doch eigentlich nur die Konsquenz sein, dass sie weg müssen und wir komplett neue Leute in den Führungs- und Verantwortungsebenen brauchen.

Wenn man schon gegen den Einstieg von externem Einfluss, externen Leuten mit externen Finanzressourcen ist, dann kann doch sicherlich nicht die Alternative sein, mit den Leuten weiterzumachen, die uns in diese Lage gebracht haben und ein Glauben daran, dass diese uns dann in Zukunft plötzlich alleine auf den richtigen und erfolgreichen Weg bringen, kann nur eines sein, nämlich fatal bis naiv.

Von daher, und diesbezüglich denke ich, sind wir uns alle einig, darf es ein weiter so nicht geben und muss sich fundamntal etwas ändern.

Von daher ist die eigentliche Aufgabe in der Auseinandersetzung, wie es mit der Alemannia wieder voran gehen kann, die Frage und Suche nach echten und geeigneten Alternativen, vor allem auch in personaler Hinsicht bezüglich der Führungs- und Entscheidungsträger.
ps.: was ich noch vergessen habe, mir fällt dazu ad hoc niemand ein, der sowohl dazu in der Lage, erst recht aber auch noch dazu bereit wäre. Vielleicht haben dazu aber andere ja noch was in petto.
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Eike (07.09.2016)
  #19  
Alt 07.09.2016, 11:22
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Hallo,
Stimme gerne zu,Hier wirst du ernstzunehmende Alternativen nicht präsentiert bekommen.Seit Jahrzehnten krankt die Alemannia an diesen Problemen!
Gruß
RF
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  #20  
Alt 07.09.2016, 16:00
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Von daher ist die eigentliche Aufgabe in der Auseinandersetzung, wie es mit der Alemannia wieder voran gehen kann, die Frage und Suche nach echten und geeigneten Alternativen, vor allem auch in personaler Hinsicht bezüglich der Führungs- und Entscheidungsträger.

Es ist wie immer im richtigen Leben ...

Die Frage, ob die „weg“ sollen, dass hast Du bereits richtigerweise erkannt, muss man sich erst einmal leisten können. Am besten wäre gewesen, sie wären nie ans Ruder gekommen, aber ihr habt sie schließlich gewählt. – Ich weiß schon, ihr hattet ja niemand anders und so weiter und so fort.

Der führende Kopf fehlt
Aber so direkt und unversöhnlich muss diese schmerzliche Analyse gar nicht ausfallen, es wäre ausreichend, wenn zumindest einer hinzukäme. Einer der für sich in Anspruch nehmen kann, noch nicht „mit d'r Kopp gegen d'r Schrank“ gelaufen zu sein, der ein Mindestmaß an Einfühlungsvermögen in die vielfältigen Beziehungsgeflechte eines Vereins mitbringt und der mindestens „bis drei zählen kann“. Persönliche Eigenschaften wie „ene janz schäbbige Charakter“ oder „ene liebe Jung“ würde ich bereits unter „nice to have“ abheften, Hauptsache er hat Charakter und Durchsetzungsvermögen. – Es fehlt ganz einfach der führende Kopf.

Nur so nebenbei
Den Hinweis, dass die geleistete Arbeit aller für den Klub tätigen grundsätzlich Achtung und Respekt verdient, möchte ich schon auch noch anbringen, allerdings, den Hinweis möchte ich mir gleichermaßen nicht verkneifen, haben die aktuell Verantwortlichen das mühsam erarbeite Feld, welches ihnen übergeben wurde binnen kürzester Zeit wieder verwüstet, um anschließend davon zu schwadronieren, dass ausgerechnet ihr Weg alternativlos sei.

Das ganze Konstrukt von unnötigem Aufsichtsrat der GmbH und vielfältiger Aufsichts- und Kontroll-Gremien bringt gar nichts und schafft lediglich eine Menge zu verteilender Posten und Pöstchen. Manchmal vermittelt sich mir der Eindruck, dass jeder Dritte, der mit geschwellter Brust über den Aachener Markt stolziert, in irgendeinem Gremium bem „Klömpchensklub“ vertreten ist.

Rückblickend betrachtet, – ich kann nicht alles erklären, schließlich beobachte ich das „lustige Treiben“ nur von außerhalb, – hat der Klub seit langem schon verlernt auf eigenen Beinen zu stehen und selbstverantwortlich zu agieren. Als Höhepunkt dieser fatalen Entwicklung würde ich die Amtsperiode von Dr. Jürgen Linden einschätzen. In einer völlig abstrusen Doppelfunktion als Oberbürgermeister der Stadt Aachen und Vorsitzender des Aufsichtsrates des Alemannia-GmbH verlieren solche Überflieger gerne 'mal den Boden unter den Füßen und mein(t)en, sie können über's Wasser laufen.

Die Vereinsmitglieder haben andererseits alle Vorteile dieses Verwöhn-Programms jahrelang sichtlich genossen und erst (zu) spät erkannt, dass hiermit auch Nachteile verbunden waren. Als ich im Sommer 2010 im Radio zufällig mitbekam, dass Jürgen Linden bei einer Jahreshauptversammlung die Entlastung versagt worden war, bin ich spontan zusammengezuckt und dachte mir: „Hoffentlich wissen sie, was sie da gerade tun.“ Selbstverständlich fand ich die Trennung grundsätzlich gut und überfällig, erahnte aber auch, dass zwangsläufig für den Verein eine Lücke entstand, die so schnell, wenn überhaupt, nicht zu schließen wäre.

Auf eigenen Beinen zu stehen heißt (Eigen-) Verantwortung zu übernehmen. Der Klub agiert diesbezüglich seit langem schon maßlos, das heißt er fordert unablässig Dinge ein, die irgendwie vom Himmel fallen sollen, anstatt sich kritisch mir seiner realen Situation auseinander zu setzen und selbstbestimmte Lösungen umzusetzen. Insofern ist es ein erklärlicher Umstand und kein Zufall, dass aktuell eine ominöse Investoren-Gruppe aus heiterem Himmel auftaucht.

Also, ganz so schwierig erscheint das alles nicht. Bei einer Mitgliederzahl von mehr als 6.000 gilt es einen Einzigen heraus zu finden. Aber Vorsicht, der Versuchung, wieder 'mal den bequemen Weg zu gehen, werden viele trotz allem nicht widerstehen können.
__________________
„Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht.“
Joachim Ringelnatz

Geändert von Franz Wirtz (07.09.2016 um 16:24 Uhr) Grund: Grammatik-Fehler
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